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Archiv für Januar 2011

Wie weiter?

Jetzt wo ich endlich mit dem Schreiben begonnen habe, tauchen bereits Probleme und Blockaden auf, die mich gegenwärtig am Vorwärtskommen hindern. Momentan bin ich mit dem Schreiben des einführenden Kapitels: „Ökonomische, soziale und politische Bedingungen in Stadt und Kanton Luzern am Ende des Ersten Weltkriegs“ beschäftigt, das den Leser oder die Leserin mit dem historischen Hintergrund meines Forschungsgegenstandes vertraut machen soll. Es fällt mir leider sehr schwer, die vielen Informationen aus dem halben Dutzend Bücher, die ich zu dem Thema konsultiert habe, in eigenen Worten und mit Bezug auf das Thema meiner Arbeit in aller Kürze darzustellen; deshalb habe ich mich wieder dem Blog zugewandt – genau für solche Fälle ist er ja gedacht.

Immerhin habe ich mir jetzt ein ziemlich genaues Bild von Aufbau und Inhalt meiner Arbeit gemacht. Ich werde, nach der eben erwähnten Einführung, zuerst die Gründungs- und Organisationsphase der Bürgerwehren (bis April 1919) darstellen, danach einen Abschnitt des organisatorischen Stillstands (bis März 1920) zeichnen und schliesslich auf die (fruchtlosen?) Versuche der Reorganisation der Bürgerwehr bis zum Abbruch der Überlieferung im Dezember 1921 eingehen. Ich habe mich nun also für ein chronologisches Vorgehen entschieden. Dies wurde vor allem durch die Protokollbücher der BWL möglich, in welchen sich diese drei Phasen klar abzeichnen und somit eine derartige Gliederung rechtfertigen. Auch auf der Seite der Theorie habe ich mich für ein Vorgehen entschieden. Wie geplant werde ich die organisatorischen Aspekte des Themas anhand der Methodik der Organisationssoziologie zu beschreiben versuchen. Eine umfassende Organisationsanalyse der Bürgerwehren ist aufgrund der Datenbasis verständlicherweise nicht möglich, trotzdem möchte ich versuchen, einige Modelle und Kategorien aus der Organisationssoziologie auf mein Untersuchungsobjekt anzuwenden, da ich mir davon Erkenntnisse erhoffe, die über die blosse Zusammenfassung der in den Quellen gefundenen Informationen und Mutmassungen über das nicht Überlieferte hinausgehen. Den mentalitätsgeschichtlichen Teil (der nach der neuen Gliederung allerdings kein eigenständiges Kapitel mehr, sondern mit der Organisationsanalyse verwoben sein wird) werde ich um den Begriff der Angst herum aufbauen. Eher zufällig bin ich während der Recherche auf den Historiker Jean Delumeau gestossen, der im Werk „Angst im Abendland“ die kollektiven Ängste der frühen Neuzeit in Europa und ihre psychologischen, sozialen und politischen Hintergründe erforscht hat. Da die Angst ein Gefühl ist, auf das ich während der Quellenauswertung schon mehrfach und in verschiedenen Kontexten gestossen bin und die von Delumeau beschriebene Kultur der Angst einige überzeugende Parallelen mit der Situation Europas nach dem Ersten Weltkrieg (Krieg, Revolutionen, Krankheit, soziale Spannungen und allgemeine Verunsicherung) aufweist, scheint es mir konsequent, anhand dieser mentalitätsgeschichtlichen Kategorie das Denken und Handel im Umfeld der Bürgerwehren zu untersuchen. Als Fragen könnten hierbei zum Beispiel dienen: Welche Ängste lassen sich bei welchen Mitgliedern der Bürgerwehr feststellen? Was wird als Bedrohung wahrgenommen, was als bedroht? Wie verändert sich die Wahrnehmung über den Untersuchungszeitraum? Wie wird versucht Angst zu erzeugen?

Die Festlegung der zwei zentralen methodischen Perspektiven und der Struktur der Arbeit möchte ich zwar noch genauer mit meiner Betreuerin besprechen, trotzdem bin ich mir jetzt ziemlich sicher, mit diesen entscheidenden Voraussetzungen meiner Arbeit auf dem richtigen Weg zu sein. Allerdings stellt sich hier schon wieder die Frage, wie ich diese theoretischen Ansätze konkret auf das Quellenmaterial anwenden und in der Arbeit darstellen soll. Meine Unsicherheit – und Angst – wird auch dadurch verstärkt, dass ich im Moment das Gefühl habe, die vielen in den letzten Monaten aufgenommenen Information nicht mehr recht verarbeiten und in die entstehende Arbeit integrieren zu können. Und dennoch scheint es mir paradoxerweise immerzu, noch nicht genug gelesen und gefunden zu haben.

Zum Schluss möchte ich noch auf einen Link hinweisen, den ich kürzlich der Sammlung oben rechts hinzugefügt habe: Das Historische Lexikon der Schweiz ist ein umfassendes Nachschlagewerk zur Schweizer Geschichte, dass gegenwärtig auf Deutsch, Italienisch und Französisch erscheint und voraussichtlich 2014 abgeschlossen sein wird. Auch durch die Möglichkeit einer Volltextsuche auf der verlinkten Seite hat mir das HLS während des Studiums immer wieder gute Dienste geleistet und ich möchte nicht mehr darauf verzichten.

Literaturhinweise:

Delumeau, Jean. Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver Ängste im Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts. Reinbek bei Hamburg 1989.

Esser, Hartmut. Soziologie. Spezielle Grundlagen. Band 5: Institutionen. Frankfurt am Main 2000.

Hiery, Hermann Joseph. Angst und Krieg. Die Angst als bestimmender Faktor im Ersten Weltkrieg In: Bosbach, Franz (Hg.). Angst und Politik in der europäischen Geschichte. Bayreuther historische Kolloquien Bd. 13. Dettelbach 2000. S. 167–224.

Schnider, Peter. Fabrikindustrie zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Industrialisierung der Agglomeration Luzern zwischen 1850 und 1930. Luzern und Stuttgart 1996.

Handout

Dass Carl Spitteler, Träger des Nobelpreises für Literatur, Mitglied der BWL gewesen war, habe ich bereits vor einiger Zeit festgestellt und im Blog festgehalten. Den ersten Hinweis dazu habe ich allerdings nicht in den Unterlagen der Bürgerwehr, sondern in einer Fussnote der Biographie des Schriftstellers gefunden; ich konnte die „Entdeckung“ des ersten prominenten Bürgerwehrlers also nicht für mich reklamieren. Für den heutigen Fund scheint das, zumindest nach der kurzen Recherche, die ich soeben gemacht habe, nicht zu gelten; er war bislang, wie ich glaube, nicht bekannt. Die Mitgliederkartei weist neben Spitteler auch den 1892 geborenen Architekten, Direktor der „Landi“ 1939 und späteren Nationalrat Armin Meili als Mann der Bürgerwehr der Stadt Luzern aus. Sein Vater Heinrich bekleidete bis im August 1920 überdies den Posten eines Führers einer sogenannten „bewaffneten Gruppe“, von denen es in jeder der acht Bürgerwehr-Kompagnien der Stadt je eine gab und die von der Armee mit Gewehren ausgerüstet wurden .

Die Mitgliedschaft dieser beiden über die Stadt hinaus bekannten Persönlichkeiten in der Bürgerwehr ist hochinteressant, sollte aber, in Anbetracht der Grösse der Stadt, nicht überbewertet werden. Trotzdem lassen sie die Relevanz und Bedeutung meines Themas in einem besonderen Licht erscheinen. Spannend wäre, zu ergründen wann und warum sich Spitteler und Meili für den Beitritt entschieden und was sie darüber dachten. Ich hoffe, darüber noch weitere Informationen finden zu können.

Statt das Handout meiner Präsentation vom letzten Herbst als PDF zur Verfügung zu stellen, hielt ich es für einfacher, es direkt im Blog zu veröffentlichen:


Werkstattbericht zur Lizentiatsarbeit:

Mitbürger, wir wollen des Landes altbewährte Freiheit und Ordnung schützen!“ – Die Bürgerwehren Luzerns 1918-1922

Während im November 1918 grosse Teile der schweizerischen Arbeiterschaft in den Generalstreik traten, um gegen die Verschleppung längst überfälliger sozialer Reformen, die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage und das Truppenaufgebot des Bundes anlässlich des Jahrestages der Russischen Revolution zu protestieren, fanden in mehreren Städten des Landes bereits Versammlungen verunsicherter Bürger statt, an denen über die Schaffung von paramilitärischen Organisationen gegen einen befürchteten kommunistischen Umsturzversuch, zur Unterstützung der überforderten Behörden und zum Schutz der vom Streik betroffenen Betriebe beraten wurde.1 Diese Bürgerwehren folgten dabei vielerorts einem ähnlichen Muster. Es waren von industrieller oder gewerblicher Seite angeregte Vereine auf freiwilliger Basis, nach militärischem Vorbild organisiert und stark mit Armee und örtlichen Behörden verflochten (und von diesen mehr oder weniger offen unterstützt) und somit Teil eines „bürgerlichen Schutzwalls gegen jede Form von Sozialismus.“2 Da ihre Initiatoren befürchteten, die staatlichen Behörden würden im Fall erneuter sozialer Unruhen oder Streiks nicht schnell und schlagkräftig genug reagieren können, verstanden sie sich sogar als einzige Truppe, die zum „Niederhalten jeder Bewegung und Aktion des Gegners“ der drohenden Revolution gegebenenfalls auch mit Waffengewalt entgegentreten konnte, bis die regulären Streitkräfte die Lage unter Kontrolle zu bringen im Stande waren.3 Darüber hinaus verfolgten einige Bürgerwehren auch propagandistische Ziele, versuchten auf die politische Entscheidungsfindung Einfluss zu nehmen und bauten eigene Nachrichtendienste für ihre Zwecke auf. Als Dachorganisation zur Koordination, Planung und internationalen Kooperation dieser vielfältigen Aktivitäten, wurde im Frühjahr 1919 der „Schweizerische Vaterländische Verband“ (SVV) gegründet.

Gegenstand der hier vorgestellten Lizentiatsarbeit sind Organisationsformen, Kultur und Wahrnehmungen jener Bürgerwehren, die in der schweren politischen, sozialen und ökonomischen Krise der Nachkriegszeit auch in Stadt und Kanton Luzern aktiv wurden. Dieses Thema soll mittels zweier Fragenkomplexe erschlossen werden. In einem ersten Teil wird versucht, die organisationalen Strukturen nachzuzeichnen. Untersucht werden sollen Aufbau, Machtstrukturen, Planung, Funktionslogiken, die Zusammensetzung und Rekrutierung der Mitgliederbasis sowie die den Organisationen zur Verfügung stehenden Ressourcen. Von besonderem Interesse ist hierbei der Vergleich der im ganzen Kanton gegründeten Bürgerwehren, insbesondere in Hinsicht auf die lokalen ökonomischen und politischen Verhältnisse. Denn auch in vielen ländlichen Gemeinden, die im Unterschied zur Agglomeration Luzern kaum über industrielle Grossbetriebe verfügten, wurden nach dem Landesstreik Bürgerwehren gegründet.4

Im zweiten Teil sollen Bedrohungswahrnehmung, Ziele, Praktiken, Weltbilder und Selbstverständnis der Bürgerwehren und ihrer Mitglieder verdeutlicht werden. Dabei stehen Fragen nach Gründungsmotiven, Deutungs- und Argumentationsmustern, Werthaltungen, Selbstdarstellung und Legitimation, sowie interne Spannungen im Vordergrund. Ausserdem sollen Wahrnehmung und Auftreten der Organisationen in der Öffentlichkeit untersucht werden.

Ursprünglich war geplant, abschliessend den Fokus auf den strukturellen, praktischen und programmatischen Wandel der Bürgerwehren in der kurzen Zeit ihres Bestehens zu legen. Das heftige Aufflackern von verschiedenen bürgerlichen Bewegungen nach dem Weltkrieg und ihr auffallendes Selbstbewusstsein, steht in starkem Kontrast zu ihrem raschen Bedeutungsverlust bis zur Mitte der zwanziger Jahre; diese Entwicklung sollte genauer untersucht werden. Aufgrund praktischer Überlegungen und der Tatsache, dass die bislang gefundenen Quellen nur den Zeitraum bis Ende 1921 dokumentieren, fiel die Entscheidung, den Untersuchungszeitraum entsprechend einzuschränken und den Schwerpunkt auf die Gründungs- und Konsolidierungsphasen der Bürgerwehren zu legen.

Gemäss den beiden Themenkomplexen sollen zur Beantwortung der gestellten Forschungsfragen zwei unterschiedliche theoretische Konzepte zur Anwendung kommen. Wahrnehmung, Deutungen, Selbstverständnis und Selbstdarstellung, Diskurse und Praktiken der Organisationen und ihrer Mitglieder können aus einer kultur- und mentalitätsgeschichtlichen Perspektive zugänglich gemacht werden. Zur Analyse der formalen und informalen Strukturen, der Tätigkeitsbereiche und internen Prozesse der Bürgerwehren sowie den Beziehungen zu ihrer Umwelt würden sich besonders von der Organisationssoziologie5 entwickelte Konzepte eignen, wobei allerdings Einschränkungen berücksichtigt werden müssen, die sich bei der Anwendung sozialwissenschaftlicher Ansätze auf einen historischen Gegenstand ergeben.

Der grösste Teil der für die Arbeit benötigten Quellen befindet sich im Staatsarchiv des Kantons Luzern. Es handelt sich hierbei einerseits um Dokumente staatlicher Provenienz, andererseits um Material, das aus dem Besitz der zu untersuchenden Organisationen selbst stammt. Die umfangreiche Sammlung von Dokumenten der Bürgerwehren, die erst vor wenigen Jahren vom Staatsarchiv übernommen wurde, beinhaltet Aufnahmegesuche, detaillierte Mitgliederlisten, Versammlungsprotokolle, Abrechnungen, Propagandamaterial, Korrespondenz sowie eine Fülle von Berichten und Dossiers, die der SVV an seine kantonalen Sektionen geschickt hatte. Ebenfalls im Staatsarchiv zu finden sind Publikationen jener Organisationen, welche an der Gründung der Bürgerwehren beteiligt waren oder mit ihnen in Kontakt standen; sowie die Pressetitel, die zur Beurteilung der öffentlichen Reaktion herangezogen werden sollen. Da die Bürgerwehren ihren Anstoss aus industriellen und gewerblichen Kreisen erhielten, ist zu prüfen, ob in den Firmenarchiven der grossen Luzerner Unternehmen weitere Quellen zu finden sind. Problematischer gestaltet sich die Quellenlage im Hinblick auf die in den ländlichen Gemeinden geschaffenen Vereine. Die Suche hängt hier vom Erschliessungsgrad der Gemeindearchive ab und ist deshalb mit beträchtlichem Aufwand bei unklaren Erfolgsaussichten verbunden. Womöglich wäre hier eine Beschränkung auf die grössten Gemeinden des Kantons oder eine von bestimmten lokalen Faktoren geleitete Auswahl sinnvoll.

Die Bürgerwehren, die vielerorts als Reaktion auf die Krisenerscheinungen geschaffen wurden, die im Landesstreik ihren Höhepunkt erreicht hatten, kommen auch in der Forschungsliteratur zur Sprache, die sich diesem Ereignis widmet. Zu nennen sind hier insbesondere Willi Gautschis detailliertes und trotz seines Alters immer noch äusserst wertvolles Werk „Der Landesstreik 1918“ sowie die Arbeit, die Joe Schelbert unter dem Titel „Der Landesstreik vom November 1918 in der Region Luzern“ 1985 verfasst hat. Beide Autoren stellten die Gründung von Bürgerwehren fest, wobei die Haltung der Lokal- und Bundesbehörden von vorsichtiger Zustimmung bis zur von der Sorge um eine Eskalation der angespannten Lage getragenen Ablehnung reichte.6 Schelbert, dessen Darstellung einen wichtigen Bezugspunkt für die Lizentiatsarbeit liefert, beurteilt den Opportunismus Luzerner Industriekreise bei der Einrichtung der Bürgerwehren besonders kritisch und spricht von der Schaffung eines „Staats im Staat“.7 Ein eigenes Kapitel widmet Thomas Greminger den Bürgerwehren von Stadt und Kanton Zürich in seiner Dissertation „Ordnungstruppen in Zürich“. Der Autor zeichnet darin die Debatten auf Bundesebene, zwischen Landesregierung und Armeeführung, beziehungsweise Kantonsebene über die Zweckmässigkeit von Bürgerwehren, die Entstehung und Struktur der Zürcher Stadtwehr sowie ihr Einsatz im Auguststreik 1919 nach.8 Die Entstehung der Basler Bürgerwehr und ihre Rolle während des Auguststreiks hat Hanspeter Schmid im Buch „Krieg der Bürger“9 untersucht. Mit der Geschichte des SVV und seiner Mitglieder schliesslich beschäftigte sich Andreas Thürer bereits in der Lizentiatsarbeit und sie ist auch Thema seiner vor kurzem abgeschlossenen Dissertation. Ein Überblick über den Forschungsstand und die sehr „spärlich vorhandene Sekundärliteratur“ bietet sein Beitrag in der von Michel Caillat et al. herausgegebenen Aufsatzsammlung „Histoire(s) de l‘anticommunisme en Suisse“.10

Auswahlbibliographie:

Dubler, Anne-Marie. Geschichte der Luzerner Wirtschaft. Volk, Staat und Wirtschaft im Wandel der Jahrhunderte. Luzern und Stuttgart 1983.

Endruweit, Günter. Organisationssoziologie. Stuttgart 2004.

Gautschi, Willi. Der Landesstreik 1918. Zürich 1968.

Greminger, Thomas. Ordnungstruppen in Zürich. Der Einsatz von Armee, Polizei und Stadtwehr Ende November 1918 bis August 1919. Basel und Frankfurt am Main 1990.

Guex, Sébastien. Krisen und Stabilisierung. Die Schweiz in der Zwischenkriegszeit. Zürich 1998.

Huber, Max. Geschichte der politischen Presse im Kanton Luzern 1914-1945. Luzern und Stuttgart 1989.

Jost, Hans-Ulrich. Bedrohung und Enge (1914-1945) In: Mesmer, Beatrix/Im Hof, Ulrich (Hg.). Geschichte der Schweiz und der Schweizer. Basel 2004. S. 731-819.

Jost, Hans-Ulrich. Die reaktionäre Avantgarde. Die Geburt der Neuen Rechten in der Schweiz um 1900. Zürich 1992.

Kaltenbrunner, Gerd-Klaus. Rekonstruktion des Konservatismus. Freiburg i. B. 1972.

Landwehr, Achim. Historische Diskursanalyse. Frankfurt a. M. 2008.

Large, David C. The politics of law and order. A history of the Bavarian Einwohnerwehr, 1918-1921. Transactions of the American Philosophical Society Vol. 70. Philadelphia 1980.

Mattioli, Aram. Intellektuelle von rechts. Ideologie und Politik in der Schweiz 1918-1939. Zürich 1995.

Maurer, Michael. Kulturgeschichte. Eine Einführung. Köln 2008.

Preisendörfer, Peter. Organisationssoziologie. Grundlagen, Theorien und Problemstellungen. Wiesbaden 2005.

Reckwitz, Andreas. Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms. Weilerswist 2000.

Ruffieux, Roland. La Suisse de l‘entre-deux-guerres. Lausanne 1974.

Schelbert, Joe. Der Landesstreik vom November 1918 in der Region Luzern. Seine Vorgeschichte, sein Verlauf und seine Wirkung. Luzern 1985.

Schmid, Hanspeter. Krieg der Bürger. Das Bürgertum im Kampf gegen den Generalstreik 1919 in Basel. Zürich 1980.

Stutz, Hans. Frontisten und Nationalsozialisten in Luzern 1933 – 1945. Luzern 1997.

Thürer, Andreas. Der Schweizerische Vaterländische Verband und die in ihm zusammengeschlossenen Bürgerwehren 1919-1923. Lizentiatsarbeit. Basel 1978.

Thürer, Andreas. Der Schweizerische Vaterländische Verband (SVV). Ein “antisozialistischer Schutzwall” (1919-1930/31) In: Caillat et al. (Hg.). Histoire(s) de l’anticommunisme en Suisse. Zürich 2009. S. 133-146.

Tschopp, Silvia Serena. Kulturgeschichte. Basistexte Geschichte Bd. 3. Stuttgart 2008.

Werner, Christian. Für Wirtschaft und Vaterland. Erneuerungsbewegungen und bürgerliche Interessengruppen in der Deutschschweiz, 1928-1947. Zürich 2000.

Wicki, Otto/Kaufmann, Anton. Der Erste Weltkrieg. Die Entlebucher an der Landesgrenze. Schüpfheim 2008.

1Vgl. Jost, Bedrohung und Enge, S. 768f. und Gautschi, Landesstreik, S. 297 und 316.

2Thürer, SVV, S. 133f.

3Schelbert, Landesstreik, S. 81.

4Vgl. ebd. S. 83.

5Vgl. Endruweit, Organisationssoziologie, S. 97 und Preisendörfer, Organisationssoziologie, S. 29.

6Vgl. Schelbert, Landesstreik, S. 80f. und Gautschi, Landesstreik, S. 365f.

7Schelbert, Landesstreik, S. 81.

8Vgl. Greminger, Ordnungstruppen, S. 92-117 und 234f.

9Vgl. Schmid, Krieg, S. 118-122.

10Vgl. Thürer, SVV, S. 133.

Ein gutes neues Jahr!

Die längere Abwesenheit im Blog bedeutet nicht, dass ich meine Lizarbeit zwischenzeitlich auf Eis gelegt hätte, sondern lässt sich mehr auf meine momentane Schreibmüdigkeit und die derzeitige Phase zwischen Abschluss der Quellenauswertung und Beginn des eigentlichen Schreibens zurückführen. Was habe ich in den vergangenen Wochen gemacht? Mitte Oktober musste ich im Rahmen des Liz-Kolloquiums mein Thema und den momentanen Stand der Arbeit zum ersten Mal vorstellen und mich Kritik und Fragen von Professor und Assistenten sowie den übrigen Lizentianden am Lehrstuhl stellen. Ich war der einzige Referent an diesem Abend und so war genug Zeit für eine ausführliche Diskussion vorhanden. Zusammenfassend habe ich das Gefühl, dass mein Vorgehen und die bisherigen Resultate auf ein allgemein positives Echo stiessen. Neben einigen Hinweisen und Tipps wurde mir geraten, die Struktur der Arbeit, insbesondere die Aufteilung in einen organisatorischen und einen kulturgeschichtlichen Teil zu überdenken und den übergreifenden Kontext des Landesstreiks besser mit einzubeziehen. Vor allem die erste Empfehlung hat mir bislang etwas Kopfzerbrechen bereitet, da ich die bisherige Gliederung schon früh als brauchbar empfand und sie nun noch einmal grundlegend überprüfen muss, bevor ich mit dem Schreibprozess beginnen kann. Als Alternative schwebt mir im Moment ein chronologisches Strukturieren des Inhalts vor, wobei mir allerdings noch nicht klar ist, wie ich die verschiedenen Aspekte der von mir untersuchten Bürgerwehren in eine solche, sich am zeitlichen Verlauf orientierende Darstellungsform integrieren kann. In meinem Vortrag stellte ich einige meiner Meinung nach zentrale und besonders spannende Quellen vor, anhand denen ich mein Vorgehen und die bisherigen Erkenntnisse illustrierte. Vom Staatsarchiv Luzern habe ich die Erlaubnis erhalten, meine Präsentation und das begleitende Handout im Blog zu veröffentlichen – falls also Interesse besteht, werde ich in einem der nächsten Einträge einen entsprechenden Link zur Verfügung stellen.

Meine primären Quellen aus dem Archiv habe ich mittlerweile fast ausgewertet. Als besonders ergiebig haben sich dabei die Protokolle von Versammlungen und Kommissionssitzungen erwiesen, die einen Blick auf die Vorgänge innerhalb der Organisation ermöglichen und vom Sekretär der Bürgerwehr der Stadt Luzern (BWL) bis Ende 1921 verfasst wurden. Meine anfänglichen Probleme beim Entziffern seiner Handschrift lösten sich schnell, nachdem ich mich mit der seinerzeit gebräuchlichen Kurrentschrift vertraut gemacht hatte. Die Protokolle, drei kleine Bücher mit je etwa 100 Seiten sind wertvoll, da sie die bereits gefundenen Informationen ergänzen und auch über bislang kaum dokumentierte Aspekte, wie zum Beispiel die Beziehungen der BWL zu kantonalen oder städtischen Institutionen, viel Erhellendes beinhalten.

Neben der Quellenauswertung und -kritik habe ich nun mit dem Schreiben eines ersten Übersichtskapitels zu Untersuchungszeitraum und Thema auf Grundlage der Sekundärliteratur, die sich schon viel zu lange auf meinem Schreibtisch türmt, begonnen. Ich hoffe, so einen Einstieg in den Schreibprozess zu finden.

Die Wahl eines Schreibprogrammes für einen Text vom Umfang einer Lizentiatsarbeit ist durchaus keine triviale Entscheidung. Noch bevor ich mein definitives Thema fand, hatte ich einige Exemplare in Erwägung gezogen und mich schliesslich für die freie Software OpenOffice.org Writer entschieden, mit der ich schon bei früheren Arbeiten gute Erfahrungen gemacht hatte. Die jüngsten Entwicklungen im Gefolge der Übernahme von Sun Microsystems durch Oracle und die damit eingetretenen Veränderungen für die OpenOffice-Entwicklung haben mich jedoch veranlasst, meine Wahl noch einmal zu überdenken. Die längste Zeit meines Lebens als Autor von Texten habe ich Microsoft Office genutzt. Die dritte – und letzte – Aktivierung der Home Version von Office 2007 hat mich dann, auch aufgrund der gewöhnungsbedürftigen neuen Benutzeroberfläche, animiert, nach echten Alternativen Ausschau zu halten. In Betracht kamen dann eigentlich nur OpenOffice.org und LaTeX. Da für mich vor allem Bedienbarkeit, Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit im Vordergrund standen, habe ich mich dann wie gesagt für ersteres entschieden. Gerne hätte ich mich in die allseits gelobte Komplexität und Vielseitigkeit eines Textsatzsystems eingearbeitet, doch der dafür nötige Aufwand, bei ungewissen Erfolgsaussichten, schreckte mich ab. Nun habe ich auch OpenOffice.org, gerechtfertigt oder nicht, das Vertrauen entzogen und bin auf IBM Lotus Symphony umgestiegen. Der Wechsel klingt radikaler als er tatsächlich ist. Symphony ist eigentlich nur eine von IBM-Entwicklern optisch leicht veränderte OpenOffice.org-Version. Dateiformate, Programmlogik und Funktionen bleiben praktisch gleich; ich konnte mit den alten Dokumenten ohne Zwischenfälle weiterarbeiten. Da ich die Ergänzungen, die Symphony dem Original angedeihen liess, durchaus sinnvoll finde und von einem Produkt mit dem altehrwürdigen Akronym IBM im Namen ein hohes Mass an Seriosität erwarte, werde ich fürs erste bei diesem, übrigens ebenfalls kostenlos verfügbaren, Programm bleiben und hoffe, dass die Entwickler es trotz der momentanen Unsicherheit um die Zukunft von Oracles OpenOffice.org und dem von diesem abgespaltenen LibreOffice sinnvoll weiterentwickeln.

Zum Schluss möchte ich noch auf eine weitere Änderung an der Software-Ausstattung meines Arbeitsgeräts hinweisen. Swiss Academic Software hat wie angekündigt vor kurzem die Version 3 von Citavi veröffentlicht. Das Update war für Studenten der Uni Zürich wiederum gratis. Meine ersten Eindrücke sind positiv; das Programm wurde durch einige bislang vermisste Funktionen erweitert und wirkt insgesamt übersichtlicher. Ein echtes Urteil kann ich mir allerdings erst bilden, wenn ich mich ausführlich mit dem neuen Citavi beschäftigt habe, wozu ich bis jetzt noch keine Zeit hatte.


Literaturhinweise:


Delumeau, Jean. Angst im Abendland. Die Geschichte kollektiver Ängste im Europa des 14. bis 18. Jahrhunderts. Reinbek bei Hamburg 1989.

Etter, Jann. Armee und öffentliche Meinung in der Zwischenkriegszeit. 1918-1939. Bern 1972.

Fenner, Martin. Partei und Parteisprache im politischen Konflikt. Studien zu Struktur und Funktion politischer Gruppensprachen zur Zeit des Schweizerischen Landesstreiks (1917-1919). Bern 1981.

Horat, Erwin. “Gedenket heute unserer lieben Verstorbenen! Wählt nicht sozialistisch, wählt konservativ!!”. Die politische Landschaft der Zentralschweiz nach dem Ersten Weltkrieg zwischen grippetoten Soldaten und “bolschewistischer Gefahr”. In: Der Geschichtsfreund. Mitteilungen des Historischen Vereins der Fünf Orte Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden ob dem Wald und nid dem Wald und Zug. Jahrgang 159. Altdorf 2006. S. 167-328.

Lepsius, M. Rainer. Interessen, Ideen und Institutionen. Wiesbaden 2009.

Wirsching. Andreas. Neueste Zeit. München 2009.

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