Die Arbeit nimmt Fahrt auf
In den letzten Wochen hat meine Liz-Arbeit einige Fortschritte gemacht. Nach den im letzten Eintrag beschriebenen Startproblemen verbesserte sich der Schreibfluss recht schnell, so dass ich jetzt bereits ein gutes Drittel der Arbeit, wenn auch noch in sehr vorläufiger Form, verfasst habe. Das einleitende Kapitel zu den politischen, ökonomischen und sozialen Bedingungen und dem Verlauf des Landesstreiks in Luzern habe ich abgeschlossen und bin, angesichts der vielen Informationen, die ich darin auf sehr begrenztem Raum unterbringen konnte, ganz zufrieden damit. Die Seitenzahl, die von diesem Kapitel in meiner Arbeit eingenommen wird, ist grösser geworden, als ich zu Beginn vermutet habe. Trotzdem erachte ich es für sinnvoll der Darstellung des historischen Hintergrunds diesen Platz zu geben, weil ich ihn für das Verständnis meines Themas als notwendig erachte und spätere Teile der Arbeit darauf aufbauen möchte. Nun habe ich damit begonnen, die Gründung und Organisation der Bürgerwehr der Stadt Luzern auf Grundlage der gefundenen Quellen nachzuzeichnen. Hierbei versuche ich, meine theoretischen Überlegungen einzubeziehen und habe festgestellt, dass ich auch hier viel mehr Platz benötige, als ich beim Entwurf der Gliederung gedacht habe. Was dies für den Aufbau der Arbeit bedeutet, wo ich Kürzen und womöglich ganz Streichen muss, habe ich bislang noch nicht entschieden.
Neben dem eigentlichen Schreiben habe ich auf Grundlage von Listen und Adressbüchern aus dem Staatsarchiv eine so vollständig wie mögliche Datenbank aller in der BWL aktiven Luzerner aufzustellen versucht. Zwar führte die Bürgerwehr eine Kartei, in der sie ihre Mitglieder zu erfassen versuchte, allem Anschein nach war sie dabei jedoch nicht sehr erfolgreich (wobei ich mir über die Gründe für diesen Umstand nicht sicher bin und nur spekulieren kann). Laut eigener Aussage hatte die BWL Ende 1919 rund 1’000 ausschliesslich männliche Mitglieder (bei einer Gesamtbevölkerung der Stadt Luzern von etwa 44’000). In der Kartei sind aber lediglich 609 Namen aufgeführt. Ich war deshalb anfangs recht enttäuscht, da sich durch die jeweilige Nennung von Namen, Eintritts- und Austrittsdaten sowie Berufen und Adressen eine statistische Analyse des Bürgerwehrpersonals angeboten hätte. Dank der in der Hinterlassenschaft der BWL zahlreich vorhandenen Mannschaftslisten konnte ich nun aber dennoch eine eigene, 1’106 Personen umfassende Mitgliederdatenbank erstellen, die einige sehr interessante Details offenbart, die ich in meiner Arbeit verwenden kann. Ich hoffe, der dafür notwendige Aufwand hat sich gelohnt.
Die Liste der Quellenbestände, die ich noch in die Arbeit einbeziehen möchte (Archiv von Gewerbeverband und Industriegesellschaft, Nachlässe prominenter Mitglieder, Archive anderer Luzerner Gemeinden) ist leider nicht kürzer geworden, im Gegenteil. Gleichzeitig denke ich aber, dass das Material, dass ich jetzt schon habe, für eine gute Arbeit ausreichen wird, bzw. von weiteren Quellen allenfalls noch Zusatzinformationen aber keine völlig neuen Erkenntnisse mehr zu erwarten sein dürften. Deshalb werde ich mich von nun an mit denjenigen Quellen beschäftigen, die ich bereits erschlossen habe (und schon jetzt kaum noch überblicke) und nur falls am Schluss noch etwas Zeit bleiben sollte, weitere Recherchen anstellen.
Im Moment sollte ich aber versuchen, meine Konzentration wieder etwas weg von der Auswertung und Darstellung des Quellenmaterials zur theoretischen Bearbeitung meines Forschungsgegenstands hin zu lenken, um meine Forschungsfragen und anfangs gezeichneten Vorgehensweisen nicht aus dem Blick zu verlieren.
Als weiterführende Literatur sind heute einige ältere Titel vorgeschlagen, die ich für das Kapitel über die Entwicklung Luzerns bis zum Ende des Ersten Weltkriegs benutzt habe. Dabei ist vor allem auf die drei Dissertationen von Brunner, Huber und Schüpbach hinzuweisen, welche Gesellschaft und Wirtschaft der Stadt Luzern bis 1914 sehr detailreich untersucht und dargestellt haben.
Literaturhinweise:
Brunner, Hansruedi. Luzerns Gesellschaft im Wandel. Die soziale und politische Struktur der Stadtbevölkerung, die Lage in den Fremdenverkehrsberufen und das Armenwesen 1850-1914. Luzerner historische Veröffentlichungen Bd. 12. Luzern und Stuttgart 1981.
Gubler, Konrad Robert. Bevölkerungsentwicklung und wirtschaftliche Wandlungen im Kanton Luzern (seit dem Ende des 18. Jahrhunderts). Stans 1954.
Huber, Paul. Luzern wird Fremdenstadt. Veränderungen der städtischen Wirtschaftsstruktur 1850-1914. Beiträge zur Luzerner Stadtgeschichte Bd. 8. Luzern 1986.
Murray, Robert Keith. Red scare. A study in national hysteria, 1919-1920. Westport 1980.
Roggen, Ronald. Luzerner Altstadt. Eine bebilderte Quartiergeschichte. Luzern 1978.
Schüpbach, Werner. Die Bevölkerung der Stadt Luzern 1850-1914. Demographie, Wohnverhältnisse, Hygiene und medizinische Versorgung. Luzerner historische Veröffentlichungen Bd. 17. Luzern 1983.
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